Leseförderung: Freude am Lesen entdecken

Leseförderung bei Leseschwäche (1. Klasse bis 8. Klasse)

Liebe Leser:innen!
An dieser Stelle sollen zukünftig wissenschaftlich fundierte Strategien und
Materialempfehlungen zur Leseförderung sowohl im privaten als auch im schulischen
Kontext veröffentlicht werden. Ich möchte aber auch über meine Erfahrungen in
meiner Lernpraxis zu diesem Thema berichten. Der Grund, warum ich das Gefühl
habe, über Leseschwäche schreiben zu wollen, liegt darin, dass viele „interessante
Annahmen zu diesem Thema im Umlauf sind“ und gleichzeitig eine Fülle an
Materialien zur Verfügung steht.
Daher stellt sich die Frage: Wie soll man als Elternteil wissen, welches Material
tatsächlich gut und hilfreich ist? Auch für Lehrkräfte, vor allem zu Beginn, kann es
sehr nützlich sein, wertvolle Tipps zu diesem Thema zu erhalten.
Der Begriff Leseförderung umfasst nicht nur das korrekte Lesen von Wörtern,
sondern soll auch Lesefreude und Lesemotivation vermitteln. Schülerinnen und
Schüler sollen dabei eine Vertrautheit mit unterschiedlichen Textsorten entwickeln.[1]

Ein besonders wichtiges Thema ist der Leseanfang. Wenn Sie feststellen, dass Ihr
Kind bereits zu Beginn große Schwierigkeiten hat, sollte so schnell wie möglich mit
einer gezielten Förderung begonnen werden. So kann verhindert werden, dass der
Unterschied zu guten Lesenden zu groß wird.
Wie können Sie ihr Kind zu Hause fördern:
In meiner Lernpraxis setze ich das „Silbenufo“, das „Lesekrokodil“ oder Perlen aus
Holz mit Buchstaben ein. Kinder können mit diesen Buchstaben Wörter bilden und
sie auf einem Faden auffädeln. Sie lieben das, denn auch wenn die Konzentration
nachlässt, hilft etwas Haptisches nach meiner Erfahrung immer sehr. Alle Materialien
erhalten Sie im Onlineshop der Firma Betzold. Besonders empfehlen würde ich Ihnen
das Silbenufo. Dieses eignet sich natürlich auch für die Schule!
Ganz entscheidend ist, dass Kinder mit einer Leseschwäche regelmäßig üben.
Damit meine ich, jeden Tag einen kleinen Text zu lesen. Diesen sollten Sie auch
selbst vorlesen, damit das Kind hört, wie sich der Text anhören soll. Ich lese die
Texte meistens dreimal mit den Kindern. Schwierige Wörter wiederholen wir und
teilen sie in Silbenbögen ein. Eine selbstgebastelte Lesehilfe, die wie ein Lineal
aussieht, hilft dabei, in der Zeile zu bleiben, und macht Freude bei der Herstellung.
Anfänglich, wenn Kinder gerade das Lesen lernen, sollten natürlich nur einzelne
Wörter gelesen werden, da ganze Texte noch zu schwierig sind.

Ganz wichtig erscheint mir auch die Auswahl der Texte. Man muss wirklich darauf
achten, dass die Schüler:innen nicht überfordert werden. Wenn sie sich nur mit der
Dekodierung der Wörter beschäftigen, verliert das Lesen seinen Spaß. Besser ist es,

einfachere Texte zu wählen und den Schwierigkeitsgrad langsam zu steigern. Je
flüssiger gelesen wird, desto größer sind die Lesemotivation und die Freude am
Lesen.
Der Verlag Auer bietet sehr gute Lesehefte für unterschiedliche Schwierigkeitsstufen
an. Besonders gefällt mir, dass die Kinder Anschlussübungen zum Gelesenen
machen können.
Für die Schule empfehle ich den Kieler Leseaufbau. Leider musste ich feststellen,
dass dieser nicht mehr produziert wird. Es gibt jedoch noch Restbestände.
Für Fortgeschrittene haben sich neben dem Verlag Auer auch die Programme der
Autoren Gold u.a bewährt, um das strategische Lesen zu fördern. Besonders
empfehlenswert für die Schule sind die Lesepakete von eben genannten Autoren
„Lesedetektive“ und „Textdetektive“. Hier stehen Lesestrategien im Vordergrund.
Dieses Verfahren ist wissenschaftlich fundiert, wie auch der Kieler Leseaufbau.
Natürlich gibt es noch viel mehr hervorragendes Material, das ich leider nicht kenne
und daher auch nicht beschreiben oder empfehlen kann.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und Üben mit Ihren Kindern und
Ihren Schüler:innen!
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich von keiner Firma, deren
Material ich empfehle und selbst in der Lernpraxis verwende, gesponsert werde oder
sonstige Verbindungen habe.
[1] Vgl. Herne, Karl-Ludwig; Löffler, Claudia: LRS: Schwierigkeiten erkennen –
Fähigkeiten fördern. Ein Praxishandbuch für Lehrende der Klassen 1–6. 3. Auflage.
Hannover, 2023, Seite 129/130